Nach dem Ausräumen

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Am Abend sah man nur noch
die helleren Rechtecke an der Wand,
dort, wo die Bilder gehangen hatten.

Im Flur
roch es nach Staub und Holz,
nach Schränken,
die zu lange Dinge bewahrt haben.

Wir gingen langsam
von Zimmer zu Zimmer,
als könnten Schritte
etwas aufhalten.

In der Küchenschublade
lag noch der Bindfaden,
daneben die Schere
mit dem roten Griff.

Unten vor dem Haus,
als der Wagen schon beladen war,
fiel aus einer Mappe
ein altes Rezept
in ihrer Schrift.

Keiner hob es gleich auf.

Es bewegte sich im Wind,
nicht fort,
nur hin und her
auf dem Pflaster.

Und auf einmal war alles wieder da:
die Stimme aus der Küche,
das Warten am Nachmittag
der Geruch von Pflaumenkuchen und Kaffee,
der Satz,
mit dem sie jeden Besuch begann.

Informationen zum Gedicht: Nach dem Ausräumen

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19.03.2026
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