Missglückte Dichtkunst eines Bestatters
-Fiktion –
Trübe, schwermütige Gedanken
kennzeichnen seine Werke,
verbreiten eine höchst bedrückende,
melancholische Atmosphäre.
Die Schatten des Todes
überlagern die Wortgebilde,
denen dampfiges Miasma entsteigt.
Seine Dichterworte lasten
auf der Seele der Leser wie
Erdenschwere, Schicksalsschwere,
Grabesschwere, Gemütsschwere.
Die strahlende Sonne verblasst,
wird von Dunkelheit verschluckt,
deren eisige Kälte hineinkriecht,
in die Herzen geneigter Leser.
Der Tod scheint ihnen gnadenlos
auf die Pelle zu rücken, so als wäre er
nur einen Atemzug entfernt.
Im Hinterkopf ängstlicher Leser
läuten mahnend die Sterbeglocken.
Das Herz wird ihnen schwer,
Todesangst durchzieht Seele, Geist
wie ein klebriges Gespinst.
Vorm geistigen Auge sehen sie
ihre Einsargung, erleben detailliert
die Trauerfeier und ihr Begräbnis.
Jedes Dichterwort ist hart wie ein
Erdklumpen, der rhythmisch
auf den Sargdeckel ploppt
oder wie ein skelettierter Finger,
der gegen den Sargdeckel klopft.
Die eigene Vergänglichkeit
wird in allen Körperzellen spürbar.
Mit hohler Grabesstimme
scheinen die Verse eindringlich
zu den Lesern zu sprechen,
denen vor Schreck der Atem stockt.
Gott sei Dank sind sie am Ende
des tiefgründigen Gedichts angelangt
und können sich nun „erst recht“
daran erfreuen, dass ihr Lebenslicht
nach wie vor „spürbar“ glüht.
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