Landunter
Ein Gedicht von
Maria L. Späth
Der Mensch macht sich nach Plan
die Erde untertan.
Er rodet die Wälder,
legt trocken das Moor,
füllt die Gräben,
begradigt den Bach.
Der Strom fließt gemach
in gemauerten Kanälen-
schiffbar gemacht.
Der mensch gewinnt neues Land,
baut Deiche und Strand.
Er drängt das Meer
hinter künstliche Dämme zurück,
besiedelt die Ufer,
baut Häuser auf Sand.
Ändert der Flüsse natürlichen Lauf,
staut sie mit riesigen Mauern auf.
Die Auen sterben,
es verlandet der Sumpf.
Machwerk von Menschenhand,
Fortschritt ist Trumpf.
Doch kein Sieg auf Dauer,
trügerischer Gewinn.
Das Wasser bricht Mauern,
fließt drängend dahin.
Findet nicht das alte Bett,
überflutet Stadt und Land.
Keine Auenwälder dämmen
des Stromes schlammige Fracht,
keine Wälle hemmen
mehr des Wassers Macht.
Die Bäume, tot und abgesägt,
die Moore, abgebaut und trockengelegt.
Der Boden, der gierig das Wasser geleckt,
ist mit Beton und Steinen bedeckt.
Das niedere Land ein einziger See,
Gärten und Straßen versinken,
Tiere und Pflanzen ertrinken
in der entfesselten Flut.
Landunter Feld und Flur,
letztlich ein Sieg der Natur.
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