Januarmorgen

Ein Gedicht von Lisa Nicolis
***

Ich gleite aus dem Schweigen. Groß und kalt
stand diese Stille um mich aufgebaut.
Ich hörte sie zuweilen viel zu laut
und etwas hatte mir den Schlaf gekrallt.

Noch warm stahl sich die Nacht aus diesem Raum.
Ich hätte sie so dringend noch gebraucht.
Die Scheiben hat sie blumig angehaucht,
und floh durch Gärten mit dem weißen Saum.

Noch winterträge bricht der Sonne Schein
durchs blinde Fenster, einer Hoffnung gleich.
Die Jahreszeit hüllt, jungfräulich und bleich,
in spärlich kalten Lichtstrahlen sich ein.
.
In prallen Knospen keimt jetzt bunte Pracht.
Es liegt im frischen Zug der klaren Luft
schon eine Ahnung von des Frühlings Duft.
Hat er mich grad’ verstohlen angelacht?

© Lisa Nicolis

Informationen zum Gedicht: Januarmorgen

11 mal gelesen
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22.01.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Lisa Nicolis) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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