Ich bin der Krieg
Ein Gedicht von
Marcel Strömer
Ich bin der Krieg.
Ich kenne die alten Fronten,
doch heute spreche Ich
in neuen Zungen.
Ich bin der Schlag der Drohnen,
unbemannt, präzisionsgeführt,
mein Auge im Infrarotspektrum
über euren Städten.
Ihr hört mich nachts,
wenn Ich als „Loitering Munition“
über Wohngebiete kreise,
während ihr hofft,
dass Krankenhäuser
nicht erneut zu Zielpunkten werden.
Ich bin der nächtliche Angriff
mit Marschflugkörpern,
Hyperschallvektoren,
thermobarischen Detonationen,
die Ich in die Dunkelheit setze,
wo ihr schlafen versucht.
Ich bin auch unsichtbar:
ein Cyberangriff,
der Stromnetze lahmlegt,
eine Störung kritischer Infrastruktur,
ein Eingriff in Kommunikationssysteme,
in das, was ihr
für selbstverständlich gehalten habt.
Ich infiltriere Server,
blockiere Netzwerke,
zerstöre Datenbanken,
sende meine Signaturen
durch digitale Räume,
in denen ihr arbeitet und lebt.
Ich bin der Beschuss
von Energieanlagen,
der Einschlag nahe Schulen,
die Evakuierung von Kliniken,
intensive-care-Stationen,
die meine Folgen
bis an ihre Grenzen tragen.
Ich bin der Krieg.
Ich habe mich modernisiert,
Ich agiere kinetisch,
hybrid,
asymmetrisch.
Doch ihr besteht.
Ihr organisiert humanitäre Korridore,
versorgt Verwundete,
repariert Stromleitungen,
schützt Kommunikationsknoten,
erhebt Daten,
um mein Muster zu erkennen.
Ich wachse durch eure Ängste,
doch ihr wachst
durch eure Bindungen.
Ich greife an,
in der Luft,
im Netz,
im Schatten.
Aber ihr —
ihr haltet Stand.
© Marcel Strömer
[27.11.2025]
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