Hymne für Gisèle

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Man hat dir angetan,
was Sprache sprengt,
was selbst die Nacht
kaum tragen kann.
Man(n) hat kein Mitleid
dir geschenkt.
Dein Henker war
dein eig’ner Mann.

Sie kamen wie
zu einem geheimen Fest,
haben dich chemisch
unterworfen
im Schutz der Nacht.
Und jeder von den 51 wusste,
was er tat,
und hat dennoch
mitgemacht.

Doch du hast dich
nicht still ergeben.
Du hast das Schweigen
hinterfragt.
Du gingst ans Licht
und nanntest Namen,
„Die Scham muss
die Seite wechseln“,
hast du gesagt.

Du hast gezeigt:
Nicht wir sind schuldig.
Nicht unser Leib
trägt diese Schuld.
Die Schuld liegt dort,
wo Männer einfach nehmen.
Sie tarnen ihren Hass als Männerkult.

Informationen zum Gedicht: Hymne für Gisèle

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19.02.2026
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