Herzenswunsch

Ein Gedicht von Gudrun Nagel-Wiemer
Sie möchte wieder einmal raus,
nicht nur hier am Fenster sitzen.
Heute regnet es in Strömen.
Es donnert und fängt an zu blitzen.

Das weiße Haare ist unfrisiert,
ihre Stimmung sehr gedrückt.
Sie hört Schritte auf dem Flur,
bis jemand ihre Klinke drückt.

Johannes schaut sie an und fragt:
„Wie geht es ihnen heute Morgen?“
Eilig läuft er schon ins Bad,
um eine Bürste zu besorgen.

Sanft streicht er ihr durch die Haare.
Fürs Waschen hat er fünf Minuten.
Gleich muss er ins nächste Zimmer.
Die Zeit ist knapp, er muss sich sputen.

Die alte Dame sitzt im Rollstuhl.
Lässt alles still über sich ergehen.
„Kann ich noch was für sie tun?“
„Ich möchte meinen Enkel sehen.“

Der Pfleger streichelt ihr den Rücken,
und schiebt sie an den Tisch heran.
"Frau Mai, das kann ich gut verstehen,
mal schauen, was ich machen kann.“

Ein Lächeln husch über ihr Gesicht,
verdrängt den tief sitzenden Schmerz.
Was für ein netter junger Mann...
- mit einem riesengroßen Herz.

Informationen zum Gedicht: Herzenswunsch

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01.04.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Gudrun Nagel-Wiemer) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.