Großeltern lieben anders

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Großeltern lieben anders.

Nicht weniger stürmisch,
nur tiefer im Boden,
mit Wurzeln, die schon wissen,
wie schnell ein Sommer vergeht.

Sie halten ein Enkelkind im Arm
und spüren zugleich
das Gewicht der Jahre
und die Leichtigkeit eines Anfangs.

In diesem kleinen Gesicht
kehrt etwas zurück,
das längst vergangen schien:

das Staunen,
das erste Licht am Morgen,
die Zukunft,
noch ohne Narben.

Sie wissen,
dass kein Augenblick bleibt.

Deshalb sind sie
ganz darin.

Sie geben weiter,
was das Leben sie gelehrt hat,
und empfangen zurück,
was sie beinahe vergessen hatten:

Gegenwart.

So berühren sich die Zeiten:
nicht für immer.
Aber wirklich.

Informationen zum Gedicht: Großeltern lieben anders

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22.07.2026
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