Geteilte Sonnen

Ein Gedicht von Klaus Lutz
Der Körper. Er will andere Spiele.
Der rechte Arm hackt Holz. Fegt
den Hof. Putzt das Haus. Pflanzt
Rosen. Erntet Äpfel. Pflegt den
Rasen. Kauft in der Stadt ein. Backt
Kuchen. Weckt Geld und Sekt. Sieht
Hände wie Feste. Und trinkt Kaffee.
Und hat Kekse für das Leben. An
jedem Tag!

Der linke Arm bleibt im Bett. Lebt
nur die Fantasie. Liebt Comics. Singt
Lieder. Denkt Bilder. Fühlt Sterne.
Liegt im Licht. Ist Mönch. Und
Sänger. Und Clown. Und findet
Träume. Kennt nur Spaß. Und hat
Wünsche an das Leben. An jedem
Tag!

Der Körper. Er sieht die Kunst. Mit
dem Kopf, der da ist. Der Kopf auf dem
Körper. Er denkt die Zukunft. Will gute
Ideen. Lebt klare Tage. Macht Dinge
mit Sinn. Messer, die denken. Pistolen,
die reden. Intelligenz, die hilft. Und
lebt. Und denkt. Und leben lässt.

Der Kopf, der fehlt. Er liegt am Strand.
Inseln im Lachen. Witze im Paradies.
Gebete, die pokern. Er geht in die
Taverne. Trinkt Wein, der singt.
Zaubert Nudeln mit Flügeln. Und
Köpfe, die das Leben starten! Und
stellt Träume und Illusionen weg.
Sofort in die Vase der Witze!


Der Körper! Und das rechte Ohr, das
duscht. Mit Masken lebt. Nur Köche
hört. Jede Stille stört. Mit dem Mond
singt. Und hohe Töne küsst. Und tiefe
Töne am Meer trifft. Und Wege die
Geige lehrt. Und mit Sternen die
Pfeife raucht. Und jeden Ton malt.
Und die Vernunft der Haarbürste
studiert!

Das linke Ohr. Es verkauft Eis. Testet
Nähnadeln. Strickt mit jeder Glocke.
Predigt das Leben der Ohren. Beim
Joggen. Im Café. Im Hafen. Auf dem
Boot. Liebt jeden Satz. Kennt jede
Formel. Liegt auf dem Sofa. Und
hört dem Kaktus zu. Der Banane.
Dem Teller. Und will die Uhren hören!

(C) Klaus Lutz

Hallo

Sicher lässt sich die Idee besser
darstellen. Und das Gedicht
treffender zeigen. Aber dann
fehlt dem Text etwas. Es gibt eben
Texte zu denen keine Perfektion
passt. Das kann nicht in das Denken
passen. Und voller Trauer sein.
Aber das ist das Leben. Mehr als
drei Stunden Komödie am Tag ist
zu viel. Perfektion in einem Gedicht
lässt keine Spiele zu. Ich denke zum
Lesen gehört einfach die Frage:
Wie hätte das ein Clown formuliert?
Was hätte ein Träumer besser gesagt?
Wo hätte da ein Geiger runder gedacht?
Und was hätte ein Maler
mit der Idee gewürfelt. Ein eckiger
Kreis ist wahre Kunst. Und eine
Perle mit Tarnkappe ein lustiges
Rätsel. Und eine Wolke mit Segel
lässt denken. Aber der Schatten
von einem Traum als Kirsche
gemalt. Ist das nicht die Wahrheit
der Kunst. Und die Frage des
Lebens: "Was lässt die Mona Lisa
lächeln?" Und die Blume auf einem
Bild stolpern. Gut: Geteilte Sonnen
weckt Erwartungen, wie die Sonne
die sich verliebt. Und jeden Brezel
schmelzen lässt. Darum stellen
wir das Gedicht auf die Füsse.
Und lassen es durch die Fantasie
wandern. Mit den Träumen tanzen.
Und mit dem Denken reden. Und
klopfen ihm anerkennent auf die
Schulter. Dann spielt es mit dem
Leben. Und ist der Tag mit drei
Beinen. Genau das was das Leben
braucht!

(C) Klaus Lutz

Informationen zum Gedicht: Geteilte Sonnen

10.10.2026
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