Gedicht stimmt ein Klagelied an
-1-
Ich könnte als Gedicht fortlaufend weinen,
meine Zeilen sich nur unsauber reimen,
auch wechseln sie nach Belieben die Länge,
statt Lockerheit spür ich im Text nur Zwänge.
-2-
Die Grammatik wird kurzum ausgehebelt,
Wörter werden nötigenfalls „geknebelt“,
damit sie ins Zeilenende reinpassen,
die „Geknebelten“ treten auf in Massen.
-3-
Ich könnte als Gedicht mich ständig schämen,
mich wegen all der Stümpereien grämen,
mein Rhythmus einem „Holterdiepolter“ gleicht,
der inhaltliche Ausdruck ist platt und seicht.
-4-
Inhalt ist von großer Vorhersagekraft,
meinen ausgelutschten Themen fehlt der Saft,
auch fehlt jegliche Spannung, jeglicher Thrill,
Leser reagieren darauf mit Unbill.
-5-
Ich könnte als Gedicht schimpfen und klagen,
weil die Ungereimtheiten an mir nagen -
auch weil ich ständig gerate aus dem Takt,
folglich zu Lesern verliere den Kontakt.
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