Fast frech

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Es lag nicht dort,
wo ich gesucht hatte.

Nicht im Schrank mit den alten Rechnungen,
nicht in der Schublade,
die alles verschluckt,
was einmal wichtig war.

Ich hatte mich schon
an das Fehlen gewöhnt.

Dann fand ich es wieder.

Es lag einfach da.
Fast frech.

Als hätte es die ganze Zeit gewusst,
dass mein Verlust
größer war als seine Abwesenheit.

Ich nahm es in die Hand
und für einen Moment
wurde der Raum heller,
ohne dass jemand das Licht eingeschaltet hätte.

Plötzlich
war ich nicht mehr die Person,
die etwas verloren hatte,

sondern die Person,
der etwas zurückgegeben wurde,

von wem auch immer.

Informationen zum Gedicht: Fast frech

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16.06.2026
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