Enttäuschung
Ein Gedicht von
Nico Fender
Der Wind hat sich gedreht,
früher hatte ich immer einen Hasen,
den ich für euch aus meinem Hut zaubern konnte.
Zu meinem Bedauern hab ich verlernt,
dass nicht alles so gut endet,
wie der letzte Satz aus einem Märchenbuch.
Versuch um Versuch, doch vergebens,
Irgendwann beeindruckt dieser alte Trick nicht mehr.
Der Friede Wille nicht stark genug,
Irgendwer will sich immer als Sieger wähnen.
Tränen sind der Preis für die Naivität.
Das Schweigen brennt in der Seele.
Erdolcht wird jener, der am Rande steht,
Zerschmettert durch traute Gewohnheit.
Ihr habt es so gewollt, doch sollt ihr wissen,
was der Preis dafür ist:
Der Preis für die Kurzsichtigkeit,
der Preis für die unbedachten Worte,
der Preis für das, was ihr tatet und unterließt.
Der Preis, dass ihr Krieg meinen langen Frieden brachtet.
Und der ist, dass ich wieder am Menschen zweifle,
wenn's schon in Kleinen an Menschlichkeit fehlt.
Wenn der kleine Krieg bereits im Desaster endet,
wie wollen wir dann die großen Sachen gemeinsam anpacken?
Ich bin enttäuscht, weil ihr mich dazu gebracht habt.
Weil ihr ständig das Happy End aus meinen Büchern reißt,
Weil ihr nie das große Ganze seht.
Ihr habt es so gewollt:
Nun hab ich nichts mehr für euch aus dem Hut zu ziehen.
N.Fender
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