Einsamer Tod

Ein Gedicht von Ingrid Baumgart-Fütterer
-Fiktion -

Vereinsamter alter Mann
brach daheim zusammen,
erlitt schweren Herzinfarkt.
Unsichtbare eiserne Faust
drohte flimmerndes Herz
zu zerquetschen.
Der Schmerz war unsäglich,
die Atemnot quälend.
Hilflos lag er am Boden,
am Kopf eine vom Sturz
verursachte Platzwunde,
deren Blut sein Gesicht
mit Rinnsalen bedeckte.
Röchelnd hauchte er sein
schicksalhaftes Leben aus.

Keiner bemerkte sein Ableben.

Er hatte weder Freunde,
Bekannte noch Verwandte
und Nachbarn zeigten an ihn
so gut wie kein Interesse.

Wer sollte ihn da vermissen?

Vor der Haustür bewegte sich
entlang der Treppe, Richtung
Gehweg, eine „Madenstraße“.
Bestialischer Fäulnisgeruch
drang aus den Ritzen des Hauses,
waberte in Wolken unheilvoll
hervor, überzog wie ein Film,
hauchdünn, süßlich-klebrig,
beim Einatmen die Atemwege,
fraß sich in Schleimhäute hinein,
um in Erinnerung zu bleiben.

Nachbarn verständigten Polizei.

Leichnam hatte sich zersetzt,
Leichenflüssigkeit durchtränkte
Teppich, versickerte im Boden,
Geruchsmoleküle penetrierten
Polstermöbel, Tapeten, Wände,
machten auch vorm Gemäuer
nicht halt – der Tod nahm alles
in Besitz, legte überall Spuren,
die sich unauslöschlich ins
Gedächtnis derjenigen brannten,
die ihn so zu Gesicht bekamen
und zwangsläufig „verinnerlichten“.

Unzählige Käfer, Schmeißfliegen
hatten ihren Siegeszug angetreten,
für sie und ihre Nachkommen
war der Tisch reichlich gedeckt.
Durch geöffnete Fenster, Türen
flogen Fliegenschwärme, so dicht,
dass sie den Himmel verdunkelten.
Verwesungsgeruch machte sich breit,
drang durch Fenster und Türen
der Nachbarn, schlängelte sich
erfolgreich durch engste Ritzen…..

Informationen zum Gedicht: Einsamer Tod

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Tod
27.07.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Ingrid Baumgart-Fütterer) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.