Eine Hommage an Udo Lindenberg Der Mann mit dem Hut
Er trägt den Hut
als hätte die Nacht
ihm die Hand auf die Stirn gelegt.
Darunter:
kein Rockstar,
kein Denkmal mit Sonnenbrille
kein lauter Prophet aus Barlicht,
sondern ein Ohr,
das noch hört,
wenn die Nacht ihre Verletzten zählt.
Hinter Glas
blinkt ein Verstand,
hell wie ein einsames Hotelzimmer
über der Reeperbahn,
nachts um halb vier,
wenn selbst die Reklame
nicht mehr lügen kann.
Er kennt die Einsamkeit
nicht als Drama,
sondern als Fahrstuhlmusik
im eigenen Herzen.
Manchmal steht er
inmitten der Menschen
wie ein U-Boot
unter dem Jubel der Oberfläche
außen Musik,
innen Radar.
Er weiß,
dass eine Maske
nicht immer Versteck ist.
Manchmal ist sie Verband.
Manchmal ist sie Laterne.
Manchmal malt man sich ein Gesicht,
damit die anderen
das Zerbrechliche darunter
nicht aus Versehen anfassen.
Er hat nie so getan,
als sei Haltung ein sauberes Hemd.
Haltung ist bei ihm
ein Stiefel im Matsch,
ein Mikrofon gegen Marschmusik,
ein Lied,
das sich weigert,
geradeaus zu salutieren.
Seine Empfindsamkeit
ist kein dünnes Porzellan.
Sie ist ein Seismograph
im Maschinenraum,
ein nervöses Tier,
das Erdbeben spürt,
bevor die Mächtigen
ihre Sätze bügeln.
Er wendet sich zu.
Zu den Einzelnen,
den Schiefen,
den Unsortierten,
denen, die nicht glänzen,
aber leuchten,
wenn jemand sie ansieht
ohne Eile.
Vielleicht ist das
sein eigentliches Instrument:
nicht die Stimme,
nicht die Band,
nicht der große panische Zirkus
aus Licht —
sondern diese Fähigkeit,
im Lärm
ein verletztes Herz
herauszuhören.
Und irgendwo
zwischen Hutkrempe,
Hotelbar
und Weltgewissen
schlägt ein leises,
unbestechliches Herz
gegen den Takt
der Gleichgültigkeit.
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