Die Stunde, die fehlte
Ein Gedicht von
Lewin Dunkel
Gedicht über eine Zeit, die sich verschiebt - und einen Menschen, der bleibt
Die Nacht war kurz,
und der Morgen stand zu hell im Raum.
Eine Stunde fehlte,
und doch nahm sie mehr mit
als nur ihr eigenes Licht.
Ich öffnete die Tür,
der Garten lag still,
der Mähroboter zog seine Kreise,
als gäbe es keine Umstellung,
keine Verschiebung,
keinen Riss im Rhythmus.
Ich setzte mich,
die Hände auf dem kühlen Tisch,
und spürte die Unwucht
einer Erinnerung,
die sich nicht mehr verstecken wollte.
Die alte Kiste,
der Brief meiner Mutter,
die Härte meines Vaters,
das Foto eines Kindes,
das allein schaukelt
und nicht weiß,
dass man es sieht.
Ich las,
ich sah,
ich atmete.
Und die verschwundene Stunde
nahm etwas mit,
das ich lange getragen hatte.
Am Rand des Gartens
lag mein Spiegelbild im Wasser,
ruhig,
klar,
älter,
aber nicht härter.
Ich schrieb ein paar Zeilen,
nicht um die Zeit zu halten,
sondern um mich selbst
ein Stück weiter
in den Tag zu setzen.
Die Stunde kam nicht zurück.
Aber ich blieb.
Und das genügte.
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