Die Ruine

Ein Gedicht von Lisa Nicolis
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Wie sich die Mauern aneinander klammern,
wie heimlich jeder Schatten in aller Mondnacht fällt,
wie sich die Zeit vorüber stiehlt,
sich aus der Wirrnis dieser Wände schält,
die Stürme um die hohlen Türme jammern
und jeder wieder weiter zieht, 
Um jede mürbe Wand
der Himmel, wie zerriss'nes Tuch,
sich drüber spannt.
Aus allen Wunden rieselt,
trist wie ein Fluch, der Sand.
Die Treppen führen
nirgendwärts ins Land.
Allein das Moos legt samten
eine Lebensbrücke,
von einst zu jetzt, über die alten Steine.
Nur manche Krähe reißt daraus 
die schönsten Stücke,
holt letztes Leben aus dem Tief
-und ist alleine.

Lisa Nicolis

Informationen zum Gedicht: Die Ruine

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20.03.2026
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