Die Planetenballade - eine poetische Betrachtung über die Entstehung der Planeten

Ein Gedicht von Ernst Stege
Ein Bild von dem Entstehen der Planeten
kann nur in Fantasien reifen,
denn ihr Zeitgeschehen zu betreten,
geht weit über mein Begreifen.

Als zum Planeten wurd‘ die Erd‘ erkoren,
war ja noch gar nichts erdgeboren,
d’rum niemand weiß, wie es geschehen,
weil keiner kann sagen: “Ich hab’s gesehen !“
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Was ist mit dir, du große Sonnenglut,
dass sich dein Leib bläht voller Gären ?
Liegt das Naturgesetz in deinem Blut,
das dich nun zwinget zu gebären ?

Wer wird die Mutterschaft dir denn verwehren,
denn dieses Recht hast du fürwahr,
die räumliche Leere muss dich nicht belehren,
ist doch viel Platz für eine Kindeschar.

Dein Leib hat zunehmend an Größe gewonnen,
dazu dein Drall nahm an Geschwindigkeit zu,
kein Wunder, du folglich hast damit begonnen,
Körperteile von Dir wegzuschleudern ohne tabu.

Mit Elan und voller Kraft
schickst du die Ersten in die Ferne,
nachdem dein Zustand wieder erschlafft,
hättest du die Abgesonderten näher gerne.

Gewiss, es ist dir gut gelungen
und treu, wie alle guten Jungen,
umkreist dich nun aus Liebe gar,
als Sonnen deine Kinderschar.

Bei allen Müttern, wie sie sich gleichen,
nach der Geburt die Wehen weichen,
und liebend gern sich alle sorgen
um ihre Kind’lein für das Morgen.

Mit strahlend mutterstolzem Sinn
schaust du auf deine Kinder hin,
denn nur einmal in deinem Leben
kann sich solch Glück ergeben.

Als kleine Sonnenkinder nur
durchwandert ihr nun die Natur.
Doch werdet ihr in eurem Walten
als Sonnen auch die Kraft behalten ?

Zu schwach wohl sind die kleinen Massen,
um euch als Sonnen zu belassen.
Ihr seid zu etwas Anderem geboren,
wozu die Sonnenmutter euch erkoren.

Nun seht doch diesen Übermut,
die Kleinen von den Großen lernen,
wie man die heiße Sonnenglut
durch Drehen kann von sich entfernen.

Bravo, Du kleine Sonne fein,
du machst es deiner Mutter nach,
ist euch dein Auswurf noch zu klein,
bedeutet er doch keine Schmach.

Dann etwas Schwereres wär‘ dir entfleucht,
es festzuhalten deine Kraft nicht reicht.
Du wolltest einen Mond nur haben,
er soll kreisend dich umfahren.

Jedoch nach langer, langer Zeit,
erstrahlt in dunkelrot dein Kleid,
als Zeichen, dass vor dem Erkalten,
sich kleine Sonnenmassen nicht erhalten.

Nach weit’ren Zeiten, die vergangen,
vergangen auch dein eig‘ner Schein,
bist du mit fester Krust‘ umfangen,
beleuchtet von der Mutter dein.

Dein kleiner Mond, den Du geschaffen,
der längst vor Dir verlor das Sein,
die Mutter hat ihn dir belassen,
soll immer dein Begleiter sein.

Als Planet noch jung an Jahren
wirst du manch‘ Änderung noch erfahren.
Schon längst auf deiner Bahn du kreist,
auf einem Weg, den dir die Mutter weist.

Schon recht, dass du mit deiner Sonnen Wucht
die Kinder hältst in strenger Zucht,
auf dass sie später dann als Erden
auch einmal lebensspendend werden.

Die Feuersglut im Erdenkern
lässt sich nicht in die Enge fassen,
sie drückt hinaus und will in die Fern‘,
nutzt dazu gezielt schwache Trassen.

Dort kann sie raus, wo die Kruste leichter bricht,
rote Glutflüsse erkalten zu Gestein.
Mit ihr entweichen Dämpfe licht,
bilden ‘nen eigentümlichen Wolkenschein.

Nun seht doch dieses schöne Bild,
Wolken und Glut haben die Austrittsstelle eingehüllt,
sie warten geduldig und verhalten
bereit sich aufzulösen bzw. zu erkalten.

Ja, und später ist es dann soweit
und rundherum im ganzen Breit
nun strömen Bäche aus den Wolken,
als werden sie durch Himmelshand gemolken.

Wie lechzend nach dem guten Nass,
saugt es die Erde in sich ein.
Der Überfluss läuft vom Parnass
und bahnt sich in ein Bett hinein.

Die Flüsse bzw. Ströme wandernd fließen,
um tiefer liegende Täler zu erschließen.
Dort stauet sich das Wasser dann
zum See, zum Meer oder Ozean.

Und als die Wolken sind verregnet,
da zeigt die Erde uns ihr neu Gesicht.
Die Mutter Sonne sie mit Strahlen segnet
und überflutet sie mit ihrem Licht.

Man sieht die Flächen ries’ger Meere,
aus ihnen steiget hoch das Land.
Noch ist es leer und kahl und oede,
weil es bisher nicht Ruhe fand.

Hier und dort noch sieht man’s rauchen
und Wolken aus den Schlünden tauchen.
In entfernten Höhen aus den Bergesspitzen
erkennt man Feuer aus Vulkanen spritzen.

Schon immer hat die Sonnenkraft
für irdisches Leben sich bewährt.
Aus Wasser sie jetzt Wolken schafft,
damit die Erde wird ernährt.

Die Wolken ziehen wandernd weiter,
um zu benetzen der Erde Grund.
Hier gibt es Regen, dort ist’s heiter,
wohltuend für das Erdenrund.

Bei solcher Pflege, solch Bemüh’n,
da zeigt sich bald das erste Grün.
Die Sonne wird ihm Wärme und Regen geben
für das entstehende junge Leben.

Wie weiter sich entwickelt hat die Erde,
nachdem der Schöpfer sprach: „Es werde!“
wir nun täglich wahrnehmen als die Natur,
mit sich wiederholender erlebter Struktur.

Von den Geschwistern uns’rer Erde
ich auch noch zu berichten weiß,
dass sie geblieben in der Herde
und zieh’n gehorsam ihren Kreis.

Des Nachts in dunkler Himmelszone,
wenn Sterne steh‘n in klarer Sicht,
erstrahlen sie mit gold’ner Krone
in ganz besonders ruh’gem Licht.

Wir Menschen, die wir leben auf Erden
sind fragend, wie weit sie ist in ihrem Werden,
wie weit, versuchte auch ich zu ergründen,
davon wird nun „Der Himmelsstürmer“ künden.

Informationen zum Gedicht: Die Planetenballade - eine poetische Betrachtung über die Entstehung der Planeten

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20.04.2020
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Ernst Stege) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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