Die Hexe

Ein Gedicht von Jasmin Pahlisch
"Horcht ihr Kinderlein, ihr lieben,
hört die alte, schaurig' Mär,
die, wenn wir sie nicht erzählten,
beinah schon vergessen wär.

Hört, was sich hat zugetragen
im großen, dunklen Nebelwald,
dort, wo die Jäger nicht mehr jagen,
wo jeder Laut im Mund verhallt.

Ein böses Weib sollt' einst dort leben,
die Braut des Höllenfürsten sein.
Die sollte Angst und Zwietracht weben,
Krankheit und Seuche ins Gebein!

Ein verführerisches Weib war jene,
Haar so dunkel, wie die Nacht,
Haut, so hell im Mondenscheine.
Hat jedem Unheil hier gebracht.

Kinder hat sie uns gestohlen,
Vieh und Menschen krank gemacht,
und jene, die sie wollten holen,
hat niemand je mehr heim gebracht.

Man wollte sie richten,
verzehrt seh'n im Feuer!
Man wollte vernichten
das teuflische Ungeheuer!

Doch wie erschraken die Inquisitoren,
als sie erkannten: die Hexe ist fort!
Gegen den Teufel der Krieg war verloren.
Er hatte sie heimgeholt von jenem Ort.

Man sagt, der Geist jener Hexe
kam nie aus den Wäldern heraus.
D'rum verriegeln hier alle Menschen
nachts noch immer ihr Haus.

Nun geht ihr Kinder und gebt Acht!
Denn viele wurden schon gestohlen.
Wenn ihr allein geht durch die Nacht,
dann kommt sie euch zu holen!"

Informationen zum Gedicht: Die Hexe

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02.05.2015
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