Der Warteraum

Ein Gedicht von Wolf-Rüdiger Guthmann
In jedem Ort in Berg und Tal
gibt es ein Haus mit Wartesaal.
Meist ist das doch bei den Doktoren,
die messen, klopfen oder bohren.
Doch ehe wir ängstlich schwitzen
müssen wir im Wartezimmer sitzen.

Doch auch Banken, Ämter und sehr spät
oftmals auch die Pietät,
mischen häufig erst die Karten
und lassen ihre Kunden warten.
Nicht immer ist es ein großer Raum,
in dem man erstickt beim schönsten Traum.

Durchgangszimmer, Gänge, Flur
eignen sich für diese Zwecke nur.
Man vernimmt von allen Seiten,
welche Leiden sich wie verbreiten.
Vom Schnupfen bis zum neuen Knie,
von Impotenz bis Neuralgie.

Und wer noch niemals hier gewesen,
kann kostenlos die Zeitung lesen.
Öle und Salben als Behandlungsmittel
verlangen zu Hause nur einen Kittel.
Wer das nicht nutzt, ist selber schuld,
schließlich braucht man stets Geduld.

Wer einen Bürger nur begleitet,
nicht mit Behörden sich dort streitet,
hat selbst bei den schweren Sachen
immer noch sehr gut zu lachen.
Mancher auf nen Kaffee hofft,
doch diese Geste gibt’s nicht oft.

27.11.2019 © Wolf-Rüdiger Guthmann

Informationen zum Gedicht: Der Warteraum

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27.11.2019
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Wolf-Rüdiger Guthmann) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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