Der Nebelbote
Zur tiefsten Nacht geh ich im Wald,
der Tagesregen steigt auf als Nebel.
Der Dunst tränkt die Luft dergestalt,
umschlingendes Dickicht knebelt.
Etwas greift aus dem Nichts heraus,
zieht aus mir meine genarrte Seele.
Meine Hülle schlägt am Boden auf,
kein Laut entrinnt mehr ihrer Kehle.
Etwas gibt mir just zu verstehen,
ich bin nun auf dem Weg ins Jenseits.
Einen Fuß in der Tür zum Übergehen,
doch meine Seele zeigt sich unbereit.
Bevor ich hinüberfliegen kann,
muss ich noch einiges regeln.
Ich komme nach, alsbald dann,
wenn ich dem Hier bin erlegen.
Oh Nebelbote, ich hole dich sicher ein,
wenn ich mein Leben erschöpft habe.
Glaube mir, dann lasse ich ab mein Sein,
folge dir und man trage mich zu Grabe.
Wenn ich nichts mehr Wichtiges bereue,
meine Bilanz sich ausgewogen bemisst,
wenn ich keine Angst mehr scheue,
nichts, niemand mehr für mich übrig ist.
Erst wenn ich gelernt habe zu lieben,
wenn mein Leben sich gewandelt liest,
dann werde ich bereit sein für Frieden,
bis dahin verlängere mir meine Frist.
...
Ungewissheit schwängert den Schleier,
ein grelles Licht und meine Kehle kratzt!
In meiner alten Hülle ein befristetes Weiter,
zum Neuanfang zieht der Nebel vom Platz.
...
© meteor 2026
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