Der letzte Flug

Ein Gedicht von Max Vödisch
Vieles wurde dir entrissen,
wie Seiten, die im Winde wehen,
doch du willst nichts mehr vermissen –
und bleibst am letzten Fenster stehen.

Ein Traum aus Rauch hebt dich empor,
verspricht dir Frieden, fern der Pflicht,
ein Paradies in weichem Flor –
doch wahre Tiefe trägt er nicht.

Du schwebst davon in dunkler Spur,
Gedanken lösen jeden Schritt,
die Erde bleibt als ferne Uhr –
sie tickt, doch du gehst nicht mehr mit.

Du hoffst auf Liebe, hoffst auf Licht,
auf Morgen ohne Gier und Krieg,
auf eine Welt, die nicht zerbricht,
auf deinen stillen, inneren Sieg.

Doch Rauch verweht, der Gipfel schweigt,
der Nebel wird zu schwerem Blei,
dein müdes Herz zur Tiefe neigt –
und deine Kraft rinnt still entzwei.

Der Tod klopft leise an dein Sein,
wie Müdigkeit in dunkler Nacht,
er lädt dich ein, mit ihm allein –
doch du verweigerst seine Macht.

Du tanzt ihm nicht den müden Schritt,
nicht diesen Tanz aus Gram und Leid,
du gehst mit ihm kein Stückchen mit –
nicht in die Schatten jener Zeit.

Ein Funke glimmt in letzter Glut,
ein Trotz erhebt sich gegen ihn,
du spürst: In dir lebt noch der Mut –
und lässt dich nicht ins Dunkel zieh’n.

Da wächst ein Kampf in deinem Herzen,
nicht gegen Welt und nicht gegen Zeit,
sondern gegen Zweifel und Schmerzen –
gegen die eigne Müdigkeit.

Und wenn der Morgen neu erwacht,
und erste Strahlen dich berühren,
dann weißt du: Nicht der Tod hat Macht –
Der Glaube wird dich sicher führen.

Informationen zum Gedicht: Der letzte Flug

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03.03.2026
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