Der goldene Saft
Im November des Jahres Dreiundsiebzig,
da stockte der Atem der Welt gar plötzlich,
der Hahn wurde zugedreht, Tanks blieben leer,
es rollte kein einziges Auto mehr,
die vierspurige Bahn, sonst ein reißender Fluss,
fror ein, wie im Märchen durch magischen Kuss.
Doch aus Sorge ward Freiheit, ein autofreier Traum,
man schritt über Brücken und glaubte es kaum,
mit Rollschuhn und Picknick auf dem Mittelstreifen,
kein Hupen, kein Bremsen, kein Quietschen von Reifen,
die Straße war frei von der lärmenden Last,
ein historischer Tag, der uns träumend erfasst'.
Heute, an der Zapfsäule im Hier und Jetzt,
ist der Blick auf die Anzeige jäh entsetzt,
die Zahlen, sie jagen im Eiltempo hoch,
zwei Euro und mehr – aber wir tanken es doch;
wer heute noch volltankt, der zeigt, was er hat,
und parkt wie ein König inmitten der Stadt.
Was damals verordnet per staatlichem Recht,
besorgt heute schlichtweg die Geldbörse in echt,
der Asphalt wird leerer, die Ruhe kehrt wieder,
wir schrauben die Ansprüche herunter auf bieder,
ob Mangel von damals, ob Preisschock von heut,
am Ende sind wir wieder die gehenden Leut`.
Manch einer sattelt den Drahtesel, ölt nun die Ketten,
um das letzte bisschen Erspartes zu retten,
verkauft gar das Auto, das Schätzchen aus Blech,
denn wer heute Gas gibt, hat wahrlich nur Pech.
die Krise von heute trägt ein anderes Kleid,
sie zwingt uns zum Sparen in teuerer Zeit.
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