Der Bastard, den man Schicksal nennt

Ein Gedicht von Marvin Becker
Der Bastard, den man Schicksal nennt

Ich schreibe mit zitternden Händen,
nicht vor Angst –
vor Zorn.
Denn vor mir steht er wieder,
dieser unbezwingbare Endgegner,
dieser elende Bastard:
das Schicksal.

Lange hab ich ihm die Stirn geboten,
Zähne gefletscht
und das Herz wie ein Schild vor mir gehalten.
Ich stand,
immer stand ich,
auch wenn der Boden unter meinen Füßen
schon längst aufgegeben hatte.

Doch dann sah ich,
wie dieser Bastard sich nahm,
was mir heilig war.
Wie er gierig nach meinen Geschwistern griff –
und ich musste zusehen,
machtlos,
stumm,
zornverbrannt.

Und jetzt?
Jetzt liegen seine kalten Hände
über dem Herzen meiner Mutter,
meiner über alles geliebten Mutter,
der Frau, die selbst Sonne geboren hat.
Ich sehe,
wie ihre Kraft langsam schwindet,
wie das Licht in ihren Augen
Flackern gegen Windböen wird.

Und ich schwöre,
bei allem, was in mir noch brennt:
Ich suche einen Weg,
einen Pfad,
ein Schwert aus Willen,
um dich zu bezwingen, Schicksal.

Ich werde vor dir stehen,
dir ins Gesicht schreien,
mit einer Stimme,
die du nicht brechen kannst:

„Du bekommst keinen mehr aus meiner Familie!
Willst du meine Mutter holen –
musst du an mir vorbei!
Und wenn es sein muss,
werde ICH
das Schicksal deines Schicksals sein!“

Ich werde nicht weichen.
Ich werde nicht fallen.
Ich werde kämpfen,
bis du selbst begreifst,
dass es einen Menschen gibt,
der dir nicht knietief dient,
der nicht schweigend hinnimmt,
der sich nicht fügen will.

Ich.
Der Sohn.
Der Wächter.
Der Feind, den du nie wolltest.

Und wenn du wiederkommst, Bastard –
dann komm.
Denn dieses Mal stehe ich nicht nur.
Dieses Mal brenne ich.

Informationen zum Gedicht: Der Bastard, den man Schicksal nennt

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30.11.2025
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