Brandrede

Ein Gedicht von Andreas Herkert-Rademacher
Fast hat man sich daran gewöhnt:
der Wald, er brennt, die Erde stöhnt,
die Feuerwehr, sie wirkt geschlaucht,
weil es an allen Ecken raucht.
Am Horizont verkündet Dunst
bereits die nächste Feuersbrunst.
An jedem Baum und jeder Böschung
steht bald ein Team, bereit zur Löschung.
Es reicht ein kleines bisschen Glut
für eine wahre Funkenflut.
Bald gibt es, wenn es wieder brennt,
ein Firewatching-Großevent:
Dort darf man dann auf Feuerschneisen
von oben Wasserbomben schmeißen,
man macht aus Elend mit der Masche
dann zahllos mit der Asche Asche.
Das Unterholz, es brennt wie Zunder.
Ihr glaubt, dass sich, wie durch ein Wunder,
der Wald davon ganz schnell erholt? 
Da wurdet ihr wohl dreist verkohlt.
Ihr meint, die Wissenschaftlerwarnung
geschah als Weltverschwörungstarnung,  
das alles sei doch heiße Luft?  
Dann ist das Großhirn wohl verpufft.
Die Leute flehen und verdammen
die zerstörerischen Flammen,
als hätten die ein Eigenleben
und würden hitzig danach streben,
den Menschen den Besitz zu rauben –
wer konnte so etwas erlauben?
Mit aller Selbstkritik-Negierung
schimpft jeder gleich auf die Regierung.
Das tut so gut und geht so leicht.
Ihr habt schon recht, dass es nicht reicht,
was man dagegen unternimmt,
da würde ich glatt sagen: stimmt!
Baumelt plötzlich deine Angel
in der Luft, weil: Wassermangel,
dann wird gerade schlecht verhehlt,
dass in den Flüssen Wasser fehlt.
Dies wäre vielleicht auch ein Zeichen 
dafür, dass Maßnahmen nicht reichen,
um die Schäden zu verhindern
oder wenigstens zu mindern.
Weil die Frachter auf den Flüssen
für die Waren fahren müssen
und die fast kein Wasser haben,
muss man einfach tiefer graben?
Das ist vom Umfang her zu klein,
ein Tropfen auf den heißen Stein.
Ihr setzt nicht bei den Gründen an,
dass jeder Strom auch münden kann.
Falls ihr nur gegen Wirkung kämpft,
ist der Effekt auf Sicht gedämpft.
Könnten wir, oh, hört mein Flehen,
uns trotz allem eingestehen,
dass den Umweltreaktionen
Menschenwerke innewohnen?
Keiner sollte ungewollt
fordern, wie ihr leben sollt,
doch ihr müsst dann künftig eben
mit den Konsequenzen leben.
Logisch, dass die Welt sich wehrt, 
wenn man so mit ihr verkehrt.
Denn zum Schluss, da ist sie stur,
siegt wohl immer die Natur,
ärgert sie der Schöpfung „Krone“,
gibt es sie wohl letztlich ohne.

Informationen zum Gedicht: Brandrede

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12.08.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Andreas Herkert-Rademacher) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.