Beerdigung der Lieblingstante
Beerdigung der Lieblingstante
Sechsundneunzig Jahre hat sie ausgehalten
In einem überaus arbeitsreichen, erfüllten Leben,
Das sie in ihrer kleinen Landwirtschaft geführt hat.
Dort konnte sie verantwortlich schalten und walten,
Hat Kühe gemolken, Schweinen, Hühnern Futter gegeben,
War allzeit eine gute Ehefrau, Mutter, eine Frau der Tat.
Das alles nahm sie als selbstverständlich gegeben an,
Denn sie hatte Gottvertrauen, war religiös tief geerdet,
Dazu jederzeit lachend, gastfreundlich, weltoffen.
Ihr selbstgebackenes Brot, wenn ich zu ihr kam,
Schmeckte herrlich, war nie geschmacklich gefährdet
Und immer hat sie den zuwendenden Ton getroffen.
Auch hat sie niemals schlecht über Menschen geredet,
Ihre Probleme hat sie nicht diskutiert, sondern gelöst
Und war mir als Kind schenkende Lebensbegleiterin:
Obwohl nicht reich, kamen Geschenke selten verspätet,
Sie kam ihren Pflichten nach. Nur sonntags wurde gedöst
Beim Kachelofen, als Erzählerin blieb sie voller Lebenssinn.
©Hans Hartmut Karg
2026
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