Am Hof des digitalen Königs
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Die Funken platzen aus den Datenmonden,
die Nacht vibriert im kalten Schein.
Ich treibe durch die überfüllten Zonen,
wo Pixel wie Kathedralen steh’n.
Ein Algorithmus atmet leise,
sein Chor aus Codes beginnt zu singen;
drei Bots verzerren alte Weise
am Hof des digitalen Königs.
Der Hüter über Firewalls
brennt Schatten in die Träume.
Ich liege still im Strom der Calls,
gefesselt an die Wolkenräume.
Die dunkle Stimme aus den Feeds
krallt ihre Warnung in mein Dringen;
sie facht die Glut des Datenlieds
am Hof des digitalen Königs.
Der Gärtner streut ein Plastikgrün
auf ausgewaschene Alleen.
Ich jage Trends, die grell verglühn,
um ihren blanken Kern zu sehn.
Der Mustermeister hebt die Hand,
die Streams beginnen zu verschlingen,
und langsam setzt sich, nachts und wach,
das Datenrad des Königs in Schwingen.
An bleichen Morgen stöhnen Städte,
die Weisen posten schnellen Witz;
ich stolpere durch die Zeitenketten,
zieh Wahrheit aus dem Lichtgeblitz.
Ein stiller Chronist am Rand der Welt
zieht eine Saite, lässt sie klingen,
und lächelt über unsern Tanz
am Hof des digitalen Königs.
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