Als es noch da war

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Man denkt immer, Glück müsse sich groß anfühlen.
Aber es hat nichts Feierliches:
Kein Licht, das plötzlich auf alles fällt.
Keine Stimme, die sagt:
Das ist der Augenblick,
an den du später zurückdenken wirst.

Meistens kommt es unscheinbar.
Nicht als Ausnahmezustand, sondern als Alltag,
als Tage, die keinen Beweis brauchen,
als jemand, der noch da ist,
als das Gefühl, nicht erklären zu müssen, wer man ist.

Erst im Nachhinein bekommen diese Momente Kontur.
Plötzlich leuchten Dinge auf,
die damals kaum Gewicht hatten:
eine bestimmte Art zu lachen,
eine vertraute Stimme aus dem Nebenzimmer,
der beruhigende Gedanke,
nicht alles allein tragen zu müssen.

Glück versteckt sich
im Rhythmus gemeinsamer Tage,
im Wiederholen,
im Bleiben,
in einem unspektakulären Frieden.

Erst wenn es vorbei ist,
versteht man,
wie schön es war.
Nicht perfekt.
Nicht märchenhaft.
Nur warm.
Nur echt.
Nur unwiederbringlich.

Informationen zum Gedicht: Als es noch da war

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12.04.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Chandrika Wolkenstein) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.