Als du noch selbstverständlich warst

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Da ist noch jemand,
der weiß,
dass du den Grießbrei nur aßest,
wenn kein Klümpchen darin war.

Jemand erinnert sich
an den roten Plastiklöffel,
an das Knacken der Heizungsrohre,
an den Gummigeruch neuer Radiergummis,
an den Werbespot,
nach dem der Fernseher ausgeschaltet wurde.

Nichts davon steht in einem Lebenslauf.

Und doch beweisen diese Kleinigkeiten,
dass dein Leben irgendwo begann.

Solange jemand sie erinnert,
ist deine Kindheit
mehr als eine Erzählung von dir.

Wenn dieser Mensch einmal fehlt,
gilt die Postleitzahl weiter.
Auch der Dialekt
verschwindet nicht sofort.

Nur wer du damals warst,
hat keinen Zeugen mehr.

Von da an
kannst du zurückkehren,
so oft du willst.

Du kommst
in deiner eigenen Vergangenheit
nur noch als Gast vor.

Informationen zum Gedicht: Als du noch selbstverständlich warst

2 mal gelesen
(Es hat bisher keiner das Gedicht bewertet)
-
14.08.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Chandrika Wolkenstein) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.