Alltägliche Erfahrungen

Ein Gedicht von Helmut A. Pätzold
Alltägliche Erfahrungen

Wenn einer am Computer sitzt,
vor Anstrengung bereits schon schwitzt,
mal die, mal jene Taste drückt,
schaut auf den Monitor verzückt,
der kann nicht hoffen, dass deswegen,
der Rechner anfängt, sich zu regen.
Ein Tastenhieb reicht nicht allein,
es muss System dahinter sein.

Hat einer Nagel, Brett und Hammer,
und wirkt damit in seiner Kammer,
schlägt drauf, dass sich die Nägel biegen
und Leisten durch die Gegend fliegen,
flucht laut, weil er den Daumen trifft,
schluckt ein Glas Schnaps als Gegengift,
und hofft, dass es ein Schreibtisch wird,
dann hat er gründlich sich geirrt.

Fühlt einer müde sich und krank
und holt aus dem Tablettenschrank
zehn Pillen, lieblich anzuschauen,
und schluckt sie voller Gottvertrauen,
trinkt noch, damit es wirksam sei,
drei Gläser Schnaps aus der Abtei,
und hofft auf schnelle Besserung,
dann führt das oft zur Schädigung.

Geht einer in ein Festspielhaus
und möchte einen Sinnenrausch,
von einem guten Männerchor,
vielleicht auch Oper mit Tenor,
dann wird oft der Genuss vermiest,
weil’s ringsum hustet oder niest.
Ab jetzt vermeidet er den Jammer,
hört seinen Bach in stiller Kammer.

Der Eine meint, er wäre klug
und merkt nicht mal den Selbstbetrug.
Ein andrer glaubt, er wäre schlau,
doch sein Erfolg ist mehr als flau.
Ein Dritter gar hält sich dagegen,
glatt allen andren überlegen.
Wer anders ist als diese drei,
der hat nicht selten Schererei.

Informationen zum Gedicht: Alltägliche Erfahrungen

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01.05.2016
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