Zimt

Ein Gedicht von Sepp Höltschl
Bis Neujahr gibt’s die Winterluft,
mit intensivem Weihnachtsduft,
wo sonst nur Abgas ist, bestimmt,
jetzt Nelke, Mandelkern und Zimt.

Bis Ende dieses Jahres muss,
man reichlich Zimt und Muskatnuss,
verzehren, trinken, inhalieren,
und jeglichem Besuch servieren.

In die Seife, ins Shampoo,
kommt nun etwas Zimt dazu,
die Leberwurst vom Metzger Weber,
riecht mehr nach Weihnacht als nach Leber.

Schmeckt die Pizza etwas fad,
dann nimmt man Zimt und Zitronat,
selbst wo mal die Toilette war,
riechts wie auf dem Gewürzbasar.

Ingwer, Nelke, Koriander,
alles riecht nun durcheinander,
und die Beamten der EU,
die geben ihren Zimt dazu.

Der kollektive Volkeswille,
schreit nach Anis und Vanille.
Der Pfarrer in der Kirche nimmt,
jetzt anstatt Weihrauch lieber Zimt.

Am Abend zündet man sich dann,
ein parfümiertes Kerzchen an,
und selbst mein letzter Leibeswind,
heute früh, roch auch nach Zimt.

Informationen zum Gedicht: Zimt

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02.11.2015
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