Wunschlos unglücklich

Ein Gedicht von Michael Adamitzki
Auf einem Markt für alten Trödel,
da sah ich sie, bin ja kein Blödel.
“Mein lieber Herr, ich hätte gerne,
die reich verzierte Stalllaterne.
So sprach ich z7u dem alten Mann:
“Na klar, das sehe ich dir an,
gib mir dafür der Euro hundert.“
“Das ist fei viel“, sprach ich verwundert.
“Wenn du nicht willst, dann lass es sein.“
Ich gab ihm den verlangten Schein.

Als kleines Kind hab ich gelesen,
von Geistern und von andern Wesen,
die erfüllen dir der Wünsche drei,
macht man von Schmutz die Lampe frei.
Drum konnte ich es nicht erwarten,
ging hinters Haus in unsern Garten.
Die Lampe lang nicht mehr benutzt,
die wurde gründlich mal geputzt.
Hab sie gewienert und poliert,
doch es ist einfach nichts passiert.

Halt da erschien im Sonnenlicht,
ein “Geist“ der lauthals zu mir spricht:
“Bei dieser Lampe seh ich rot
und du bist einfach ein Idiot.
Seit Wochen finanzielle Sorgen,
drum habe ich sie heute Morgen,
für zwanzig Euro mal verkauft,
dann hör ich noch wie sie bös schnauft.“
Sie fragt, dabei schaut sie gefährlich:
“Was zahltest du, doch sei fei ehrlich.“

Informationen zum Gedicht: Wunschlos unglücklich

1.499 mal gelesen
(Eine Person hat das Gedicht bewertet. Der Durchschnitt beträgt 2,5 von 5 Sternen)
-
11.07.2012
Das Gedicht darf nur mit einer Erlaubnis des Autoren kopiert oder veröffentlicht werden. Jetzt Anfrage stellen.
Anzeige