Mein Freund der Sensenmann

Ein Gedicht von Michael Adamitzki
Ich steh am Fenster und schau raus,
da kommt ein schwarzer Typ zum Haus.
Doch plötzlich sehe ich im Dunkeln,
an seiner Schulter etwas funkeln.

Der Kerl der ist, ich sag es ehrlich,
unheimlich und sehr gefährlich.
Er grüßt herauf zum ersten Stock,
wo ich gebannt am Fenster hock.

Der will bestimmt zum Nachbarn Klar,
der ist schon über neunzig Jahr.
Da klingelt es an unsrer Pforte,
ich öffne und mir fehl‘n die Worte.

Da steht Frau Klar, den Typ am Kragen,
ich hör sie laut und deutlich sagen:
“Herr Nachbar sag, wie war denn glei,
die Rufnummer der Polizei?

Der Kerl der wollt uns was klaun,“
ich seh den Dürren ängstlich schaun.
Der Sensenmann der ist jetzt bleich,
doch seine Stimme, die klingt weich.

“Mein Freund, hilf mir aus meiner Not
und sag der Frau, ich wär der Tod.“
“Wenn’s so ist“, meint Frau Klar jetzt stiller,
dann bist du ja ein Serienkiller.“

Informationen zum Gedicht: Mein Freund der Sensenmann

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15.01.2013
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