Gesucht ein Thronfolger

Ein Gedicht von Michael Adamitzki
Es trafen sich am Königshof,
die stärksten Männer, nicht zum Schwof.
Sie schlugen sich, scheint’s musst es sein,
mit Fäusten ihre Schädel ein.
Ein jeder wär gern Schwiegersohn,
mit Aussicht auf den Königsthron.

Die Tochter nicht mehr jung und heiß,
doch war sie halt der erste Preis.
So ist es sicherlich ganz simpel,
was hier lockt die alten Gimpel.
Es gab große, kleine, dicke,
ungepflegte wie auch schicke.

Wer kämpft hier mutig gegen wen?
Der King entschied, wir werden sehn!
Da droht mir gleich ein Bär, ich zitter,
die Stimme donnernd wie Gewitter:
“Was willst denn du, du Knirps, du Wurm,“
die Zeichen stehn bei mir auf Sturm.

Zum Glück erscheint Prinzess Brunhild,
die führt doch sicher was im Schilde.
Sie lächelt, das ist für mich schlecht,
erklärt dem Volk, ich wär schon recht
und wär ich tausendmal so arm,
ich hätte den gewissen Charme.

In die Geschichte bring ich Licht:
“Nein, nein zum Kämpfen kam ich nicht.
Dass ich hier her kam hat den Grund,
dies ist dein kranker Schäferhund.
Nun nimm das Ganze nicht so schwer,
ich bin doch nur Veterinär.
Außerdem, sag’s unumwunden,
seit vielen Jahren fest gebunden.“

“Jetzt motz nicht gleich und sei zufrieden,
mein Herz hat sich für dich entschieden.
Du kriegst mich ganz, auch ohne Kampf,
bloß das Turnier find ich nen Krampf.
Wir zahlen, ja du bist mir’s wert,
auch jeden Preis, ist’s auch verkehrt.

Ich fand die Abfindung saustark,
die boten glatt zweihundert Mark.
Doch was mir daran nicht gefällt,
mein Weib meint, das ist sehr viel Geld.

Informationen zum Gedicht: Gesucht ein Thronfolger

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30.05.2011
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