Der Märchenspiegel

Ein Gedicht von Michael Adamitzki
Vorm Spiegel stand sie, ziemlich blau,
in einem kurzen Röckchen.
“Sag an, wer ist die schönste Frau,
doch lüge nicht mein Böckchen.“

Der Spiegel sah ihr ins Gesicht,
er wollte sie nicht kränken:
“Du Königin, du bist es nicht.“
Den Rest wollin wir uns schenken.

Die aber sprach drauf voller Wut:
“Vielleicht warst du zu ehrlich,
dein Spruch war schlecht, nicht etwa gut,
für dich halt sehr gefährlich.“

Der Spiegel rief: “In jedem Fall
und hat er auch ein Schwänzchen;
die schönste ist, so ist’s nun mal,
der Transvestit, das Hänschen!

Informationen zum Gedicht: Der Märchenspiegel

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02.09.2016
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