Der Clochard

Ein Gedicht von Michael Adamitzki
Früher wie ein Bär gebaut,
sitzt er da, ledern die Haut,
voller Wolle sein Gesicht,
nur am Kopf da ist es licht.

Unrein ist vom Hemd der Kragen.
Augen traurig, wollen sagen,
hab auch schon besseres gesehen.
Sagt, wollt ihr mich nicht verstehen?

Voller Löcher seine Hose,
und aus dieser schaut ne Dose,
mit Werbung einer Brauerei,
was drinnen ist, ist einerlei.

Hauptsach es ist Alkohol,
der tut bei dieser Kälte wohl.
Aus der Tasche vom Jackett,
lugt ein trockenes Baguette.

Daneben hat der alte Knabe,
in einem Beutel all sein Habe.
Damit ihn keiner nachts beraubt,
legt er darauf sein müdes Haupt.

Er möchte nicht weg für alles Geld,
lebt in der schönsten Stadt der Welt,
träumt am Ufer an der Seine,
in Paris – da von Madeleine.

Informationen zum Gedicht: Der Clochard

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11.02.2009
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