Königinnenfreier

Ein Gedicht von Lars Abel
Dort stehen sie, die wüsten Schreier,
ihr Sabber fließt, es fliegen Eier,
nach aussen hin Gerechtigkeit,
tatsächlich Blut, aus Freud' am Leid

Ich stehe auf dem Galgenboden,
Sack auf dem Kopf und Schmerz im Hoden,
ein Ehebrecher soll ich sein,
ein Lüstling und perverses Schwein

Den Spott durch Haltung ich bezähme,
weh´ mir, wenn man den Stolz mir nähme,
sie zielen mir auf das Gemächt,
Geschosse stinken, mir wird schlecht

Ich sei der Königinnenfreier,
besagt das Hundsgeheul der Geier,
im Traum war ich mit ihr vereint,
der König lieblos, wie mir scheint

Sie hätte ihn zurecht betrogen,
des Schänders Fäuste nach ihr flogen,
nur unser Stand verband uns kaum,
es blieb dabei, ein lichter Traum

Doch aufgrund königlicher Spitzel,
versah der König mit Gekritzel,
das Urteil, das mich Schweigen macht
und eine Gattin gut bewacht

Nun stehe ich zuletzt hier oben,
dieweil Hyänen um mich toben,
Entfesselung kein Bitten braucht,
der Pöbel spuckt, der Pöbel faucht

Leb' wohl, nun wechsle ich hinüber
und gelte allen als Betrüger,
nur du und ich, mein Hals, der bricht,
im Nebel schwindet mir die Sicht

(C) Lars Abel

Informationen zum Gedicht: Königinnenfreier

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15.04.2016
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