Ein Kinderspiel

Ein Gedicht von Johanne Thomsen
Kinder greifen mit vollen Händen nach Sternen
suchen Muscheln
bauen Sandburgen
Bälle fliegen über Grenzen
Sie erklären Kriege
werden von Papierfliegern bombardiert
Mit klebrigen Händen wird am nächsten Tag
der Friedensvertrag geschlossen
Indianer werden aus dem Hinterhalt verwundet
Puppenkinder ohne Namen ausgesetzt
und von fremden Müttern adoptiert
Herrenlose Plüschhunde an den Baum gebunden
und Lügnern wächst eine lange Nase
Beim Versteckspiel geht immer wer verloren
und Puppenwagen verunglücken auf holprigen Wegen
Es werden Schlachten geschlagen
auf Feldern weiß von Federn
wo Verwundete weich fallen
Es werden am Morgen Ehen geschlossen
und am Abend geschieden
Ein Handschlag besiegelt Geschäfte
und Blut die Freundschaft
ein Leben lang
Irgendwo wird eine Prinzessin wach geküsst
und ein Frosch wird kein Prinz
Am Abend wäscht ein Regenschauer
die Bilder von den Strassen
lässt Luftschlösser einstürzen
und Papierschiffchen neue Kontinente entdecken
Im Mondlicht setzen Kinder mit vollen Händen
lauter kleine Sterne an den Himmel
und haben keine Träume mehr.........

* in der diesjährigen Anthologie des "Lorbeer-Verlags" erschienen
Johannne Thomsen

Informationen zum Gedicht: Ein Kinderspiel

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21.12.2018
Das Gedicht darf weder kopiert noch veröffentlicht werden.
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