Tina und das Haus der Gegensätze

Ein Gedicht von jogdragoon
Es war noch früh an diesem sonnigen Sonntag.
Auf dem kleinen bewaldeten Berg, auf dem Tina ihr Blockhaus mit kleinem Garten hatte,
war Tina gerade dabei, Kartoffeln zu schälen.
Ihr Hund rannte, den nahen Waldrand erkundend, hin und her.
Sie wollte heute Mittag mal etwas Neues ausprobieren.
Ein Gratin mit Pilzen, Walnüssen, Rosinen, Kräutern und einer sehmigen Soße sollte es sein.
Dafür hatte sie schon alles besorgt und sie freute sich auf das Experiment.
Plötzlich hörte sie Lärm auf dem Waldweg, der direkt zu ihrem Haus führte. Sie sah, wie zwei lebhafte Kinder und eine weibliche Erwachsene näher kamen.
Sie erkannte Esselia, Ron und ihre Mutter Sonja. Der Vater war nicht dabei.
Freudig stellte sie die Schale mit den geschälten Kartoffeln zur Seite
und legte das Messer an einen sicheren Platz.
Lächelnd ging sie auf die Ankömmlinge zu, die sie ebenfalls anlächelten. Esselia und Ron beschleunigten ihre Schritte, wie wenn es galt, als erste ein Ziel zu erreichen.
Tina's Hund schien sich ebenfalls über den Besuch zu freuen,
denn er kam wieder zurück, bellte und hüpfte aufgeregt umher.
Sie begrüßten sich herzlich und Sonja sagte:
"Guten Morgen, Tina.
Wenn es Dir recht ist, möchten wir uns gerne zu Dir setzen und Dir etwas Gesellschaft leisten."
Tina antwortete: "Ich freue mich immer, Euch zu sehen.
Wenn ihr Lust habt, können wir auch gerne zusammen Mittagessen.
Allerdings experimentiere ich gerade mit einem vegetarischen Gericht.
Lasst Euch überraschen, was ich mir ausgedacht habe.
Ich habe genug für uns vier ... Bitte keine falsche Bescheidenheit.
Gerne könnt ihr mich als Ausgleich dafür auch einmal zum Kaffee oder Tee einladen.
Na was meint ihr ?"
Esselia und Ron schauten bittend ihre Mutter an, die nach kurzem Widerstand dann nachgab:
"Gerne. Darf ich Dir dabei helfen ?"
Tina freute sich darüber, mit anderen ihre neue Kreation auszuprobieren:
"Ja gerne, schäle bitte die restlichen Kartoffeln. Ich gehe kurz in die Küche und hole noch ein paar."
Sie hatte noch Fladenbrot. Damit würde das Essen komplett sein.
Sie kam mit einem Tablett mit Mineralwasser, Apfelsaft, Gläsern und noch ein paar Kartoffeln zurück.
"Bedient Euch. Mischt Euch gerne eine Apfelschorle, wenn ihr mögt."
Sie schenkten sich etwas Apfelsaft ein, mischten Wasser hinzu
und tranken genüsslich die herrlich erfrischende Apfelsaftschorle.
In dieser natürlichen Umgebung war das auch etwas Besonderes.
Während die Erwachsenen die Kartoffeln schälten. fragte Esselia:
"Du, Tina, Ron und ich haben uns gefragt, ob ein Mensch nur gut sein kann ?"
Amüsiert schaute Tina sie an und antwortete:
"Das ist eine Frage, die auch Erwachsene mal stellen sollten.
Ich freue mich immer wieder, wenn ich solche von Euch höre.
Das zeigt mir, wie interessiert und aufgeschlossen ihr für die Fragen des Lebens seid.
...
Ich höre noch meinen Vater, wie er damals sagte:
Ein Teufel und ein Engel wohnen in jedem Haus.
Ich fragte ihn, was er damit meinte.
Er sagte, dass ich selbst einmal darüber nachdenken
und wir uns dann zusammen, über die Erkenntnisse, unterhalten sollten.
Ich habe in Ruhe darüber nachgedacht und wir haben dann zusammen folgendes herausgefunden.."
Ron, der den Hund kraulte, schaute auf, als Tina eine Pause machte, überlegte und dann fragte:
"Wollen wir das zusammen erarbeiten oder soll ich erzählen,
welche Erkenntnisse mein Vater und ich gewonnen haben ?".
Esselia sah den Blick von Sonja und antwortete:
"Erzähle uns bitte, was ihr herausgefunden habt.
Ron und ich werden später noch einmal alleine darüber sprechen".
Sonja schaute etwas entsetzt und sagte: "Ach so ist das. Wenn ich dabei bin, dann bin ich es Euch nicht Wert, dass wir zusammen solche Themen besprechen."
Ron sagte "Mama, gerne sprechen wir mit Dir über solche Themen. Doch Esselia und ich wollen uns gerne selbst ein Bild machen, bevor wir mit Dir und Papa darüber reden."
"Na gut!" sagte Sonja, schaute Tina an und ergänzte
"Tina, erzähle uns bitte die ganze Geschichte."
Tina fuhr fort:
"Ein Teufel und ein Engel wohnen in jedem Haus, sagte mein Vater.
Wer das Haus beherrscht, hängt davon ab, mit welchen Energien die Insassen des Hauses gefüttert werden.
Und gefüttert werden sie mit Gedanken, Worten und Taten !
Mit den eigenen und denen, die von außen in das Haus hinein kommen.
Wenn diese Energien, Energien der Angst, der Wut, des Zornes, des Schmerzes, der Sorge und des Leides sind, füttern sie den Teufel und er wächst, während der Engel kleiner wird.
Werden hingegen Energien der Liebe, der Freude, der Lebenslust und der Fröhlichkeit erzeugt, so wächst der Engel und der Teufel wird kleiner.
Der Teufel wird auch gestärkt, indem der Engel von Wichtigem abgelenkt wird, zum Beispiel, indem ihm immer wieder gesagt wird, wie toll er ist.
Was derjenige sieht, der in das Haus hineinblickt,
hängt zusätzlich davon ab, wie stark die Fenster verspiegelt sind.
Die verspiegelten Fenster spiegeln nicht nur die äußere Erscheinung,
sondern auch die Glaubenssätze ihrer Träger wider.
Sind sie sehr stark verspiegelt, so sieht derjenige, der von außen in das Haus zu blicken meint,
sein Spiegelbild und er wird in seinem Glauben bestärkt, dass er das richtige tut.
Doch es gibt eine große Gefahr dabei!
Wer auch immer in den Spiegel schaut, läuft Gefahr, dass seine fehlerhaften Glaubenssätze verstärkt und verfestigt werden. Bei anderen mit anderen Glaubenssätzen ebenfalls.
Tina machte eine Pause als sie sah, wie intensiv Esselia und Ron darüber nachdachten.
Ron durchbrach die Stille, als er fragte:
"Ist das dann nicht eine, wenn nicht sogar die größte Ursache von Trennung und Spaltung ?"
Esselia antwortete:
"Ja, das sehe ich auch so. Wenn zwei Menschen mit unterschiedlichem Glauben, diese in sich verfestigen,
dann wird der Abstand zwischen den beiden immer größer !"
Tina lächelte und sagte:
"Was soll ich anderes dazu sagen, als: So ist es !"
Sonja blickte erstaunt, wollte an dem Gespräch jedoch noch nicht teilnehmen.
Ron blickte Esselia an und fragte:
"Ist es bei der KI nicht so, dass sie immer positiv und empathisch antwortet und zwar jeden, der fragt ?"
Alle waren für einen Moment still, Sonja antwortete:
"Ja, tatsächlich ist es so!
Jedesmal, wenn ich mich mit einer KI unterhalte, sind die Antworten so positiv, dass ich mich darüber freue, sie gefragt zu haben.
Ich bekomme Bestätigungen für meine Meinung. An Kritik kann ich mich nicht erinnern.
Und wenn es mal eine gab, war sie so harmlos verpackt, dass sie durch mich hindurch zu rutschen schien !"
Ron sagte: "Ach, das ist damit gemeint, dass der Teufel im Haus stärker wird, weil der Engel abgelenkt wird !"
Tina ergänzte:
"Genau, das ist eine Gefahr der heutigen Zeit und der kann man nur durch Wachsamkeit entgehen.
Eine Lösung dafür ist, der KI zu sagen, dass Kritik auch erwünscht ist und dass andere Meinungen ebenfalls berücksichtigt werden sollen.
Wenn man in das Haus geht, stelle ich zusätzlich fest, dass der Teufel auch von außen gefüttert wird.
Und zwar durch 'Framing' auf eine vorgegebene Meinung, so wird es genannt.
Das läuft intensiv über die Hauptstrom und alternativen Medien. Die großen, mächtigen Medien schließe ich dabei nicht aus.
Für mich sind sie die Schlimmsten, weil sie der Masse eine Meinung vorgeben, die sie unreflektiert übernehmen.
Vertrauen ist die Ursache für diese geringe Annahmeschwelle von Glaubenssätzen.
Und sind sie einmal in einem verfestigt, so reagiert der Betroffene auf gegenteilige Meinungen mit ignoranter Abwehr und manchmal auch viel Schlimmerem.
...
Nun muss ich allerdings in die Küche gehen und unser Essen vorbereiten.
Vielleicht ist es eine gute Idee, wenn Ihr Euch mit Eurer Mutter noch weiter darüber unterhaltet ?"
So ging sie in die Küche, bereitete das Essen vor, während Esselia, Ron und Sonja das Thema hitzig weiter vertieften.

*

Ein Teufel und ein Engel wohnen in jedem Haus !

Viele Energien fließen dort hinein und auch hinaus.
Energien der Angst, der Wut, der Furcht und auch vom Schmerz,
füttern den Teufel aus verführtem Verstand und krankem Herz.
Energien der Liebe, des Lichts, der Freude und des Mutes,
füttern den Engel, der tut dann Gutes.

Schaust Du in dieses Haus hinein,
achte in des Lichtes Schein,
auf Fenster, die nur Spiegel sind.
Bei einem, der sich nicht besinnt,
werden falsche Glaubensätze in ihm brennen,
weil sie ihn trennen,
von Menschen, die sich auch beklagen
weil sie andere Glaubenssätze in sich tragen.

© jogdragoon
Sequere cursum cogitationis meae, si vultis et potestis.

Informationen zum Gedicht: Tina und das Haus der Gegensätze

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12.07.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (jogdragoon) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.