Wylde Nacht

Ein Gedicht von Jasmin Pahlisch
Ins Dunkel unter den Eichen
da sieht man zwei Schatten schleichen.
Der Wylde Wald ruft, der Wylde Wald lockt!
Passt auf, dass ihr euch versteckt,
bevor sie euch finden und wir davon künden:
"Der Wald hat wieder verschluckt!"

Es wispern Stimmen im Unterholz,
doch umzukehren versagt der Stolz.
Da tönen die Trommeln, ein mystischer Klang,
unsern zwei Liebsten wird ums Herze so bang.
Schon seh'n sie die Flammen und tanzende Schatten
und hören der Flöten Gesang.

Es tanzen gar düst're Gestalten,
's sind finstere Mächte am walten.
Hexen, Dämonen, schon ham sie gesehen
die Lauscher im gaukelden Schein.
Schnell war'n sie gefangen, oh, wie sie da bangen,
die letzte Stunde wird's sein!

Die Hexen dann kreischend weben
den Zauberbann über die beiden,
voller Begehren und Liebe und Lust!
Und blind in haltloser Hast
sie dann beginnen sich zu verschlingen
am Feuer, das knistert und zuckt.

Doch als sie stöhnend am Ende,
da trennen sie magische Hände,
geben ein Kleid ihr aus Borke und Laub.
Ihm wachsen Hörner aus dem Haupt!
Ein Hirsch, eine Weide, verwandelt sind beide,
bedeckt von Asche und Staub.

Keiner sah sie je wieder,
doch horch, es riefen die Jäger
zur Jagd auf den prächtigen Hirsch.
Mit Hunden war'n sie auf der Pirsch,
hetzten ihn zum Leide unter die Weide.
Die Trauer hat hat ihr die Rinde zerfurcht.

Und als vergangen neun Monde,
da krümmt sich vor Schmerzen die Weide,
es splittert der Stamm, ein Loch plötzlich klafft,
ein Wesen mit Hörnern steigt aus dem Schacht.
Die Hexen, sie stampfen, die Satyre tanzen
und feiern das Kind der wylden Nacht.

Informationen zum Gedicht: Wylde Nacht

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23.07.2026
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