Von draus vom Walde

Ein Gedicht von Janfried Seeburger
Von draus vom Walde komm ich her,
eine Weihnacht’ wie früher gibt es nicht mehr,
all überall auf gepolsterten Sitzen,
sieht man bescheuerte Geldhaie sitzen,
und auch droben aus dem Himmeltor
sah mit gierigen Augen so ein Schuft hervor.
Und wie ich so strolcht, durch den finsteren Tann,
da schrie er mich mit lauter Stimme schon an,
„He du Blödmann, du alter Gesell,
bring dein Geld her, und spute dich schnell.
Die Wertpapiere fangen zu brennen an,
das Tor zum Abgrund ist aufgetan,
Alt und Jung sollen nun,
schneller arbeiten und nicht ruh’n,
und morgen flieg ich herab zu der Erden,
vielleicht kann bei Aktien betrogen noch werden.“
Ich sprach: „Lieber Herr mach bloß keinen Mist,
wenn meine Reise bald zu Ende nun ist,
was soll ich nur in dieser Stadt,
wo es statt Menschen nur Schwindler hat.“
„Hast du dein Säcklein voll Geld auch bei dir.“
Ich sprach: „Ich hab’s dabei und es bleibt auch bei mir,
und meine Äpfel, Nuss, und Mandelkern,
die fress’ ich alleine, ich teile nicht gern.“
„Hast du die Rute auch bei dir.“
Ich sprach: „Die Rute habe ich hier,
und Politiker und Manager, die ganz schlechten
die bekommen `nen Hieb, voll Wut auf den rechten.“
Der Gierschlund sprach: „ Mir wird es ganz schlecht,
vor soviel Wut, zieh weiter mein Knecht.“

Von draus vom Walde komm ich her,
ein ehrliches Handeln gibt’ es nicht mehr.
Nun sprecht, wie ich’s bei euch heut’ find,
sind’s gute Kind, sind’s schlechte Kind?

Informationen zum Gedicht: Von draus vom Walde

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07.09.2012
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Janfried Seeburger) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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