Sanfte Augen mögen auf Dir ruhen

Ein Gedicht von Irene Lichtenberg
Sanfte Augen mögen auf Dir ruhen,
wenn Du kaum noch sehen kannst.
Sanfte Hände mögen Dich berühren,
wenn Du Dich nicht mehr bewegen kannst.
Sanfte Stimmen mögen zu Dir sprechen,
wenn Du keinen Laut mehr geben kannst.

Heute bist Du stark und rege,
doch Deine Kraft verleitet Dich dazu,
schnell und hart zu urteilen
über Andere, die nicht mithalten können.

Dies ist jedoch nur ein Abschnitt Deines Lebens.
So, wie Du hilflos auf diese Welt kamst
und langsam in sie hinein wachsen musstest,
bis sich Deine volle Kraft einstellte,
so wirst Du wieder kraft- und hilflos werden,
damit Du die Welt mit Deinem Herzen
und mit Deiner Seele sehen kannst,
bevor Du sie verlässt.

Egal, wie lange der Abschied dauert:
Du musst Dich erst lösen
von Deiner Kraft, Deinem Körper, Deinem Lebenswillen,
um von der dual begrenzten Welt
in Dein unbegrenztes Dasein über zu gehen.
Die Loslösung ist mal abrupt, mal schleichend,
doch immer eine der wichtigsten Erfahrungen
in Deinem jeweiligen Leben.

Deshalb sei nicht ungeduldig mit den Menschen,
die Dir auf dem Weg etwas voraus sind.
Sie befinden sich nur ein kleines Stückchen näher
am Übergang zur grenzenlosen Freiheit.
Für das letzte Stück des Wegs
hat jeder Mensch Achtung und Respekt verdient.
Sei sanft zu ihnen, respektvoll und geduldig.

Informationen zum Gedicht: Sanfte Augen mögen auf Dir ruhen

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10.07.2014
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Irene Lichtenberg) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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