Würde und Selbstwert zurückgewinnen

Ein Gedicht von Ingrid Baumgart-Fütterer
-Fiktion -

Ihren Wert macht sie abhängig
von der Zustimmung und Zuneigung
der anderen, deren Erwartungen
sie sich beugt, um diesen
im vorauseilenden Gehorsam
bestmöglich zu entsprechen,
wobei sie die eigenen
Bedürfnisse rundweg verleugnet.
Sie lässt sich von anderen
gnadenlos unter Druck setzen,
setzt alles daran, unter Aufbietung
all ihrer Kräfte den Anforderungen
gerecht zu werden, ohne sich
Versagensängste anmerken zu lassen.
Nie fühlt sie sich gut genug
und egal, wie groß ihre Erfolge sind,
stets findet sie an sich etwas auszusetzen.
Der innere Kritiker schürt ihre Ängste,
ihre Scham- und Schuldgefühle,
sodass sie nie zur Ruhe findet.
Mitunter würde sie am liebsten
vor sich selbst davonrennen oder
im Erdboden versinken.
Traut sie sich aus der Deckung,
beginnt „perfides Spiel“ von Neuem.
Sie findet keinen Ausweg aus ihrer
indoktrinierten Erwartungshaltung,
die ihr unnötige Lasten auferlegt,
an denen sowohl Selbstwert als auch
ihr ethisch - moralisches Rückgrat
allmählich zu zerbrechen drohen.
Als sie entkräftet zusammenbricht,
gelangt sie an einem Wendepunkt,
nimmt psychotherapeutische Hilfe an.
Sie stellt Ihr bisheriges Leben in Frage,
beleuchtet es von einer höheren Warte aus,
entdeckt nach und nach Stolpersteine,
die sie sich selbst in den Weg legte
und alle Fallen, die sie sich stellte,
auch erkennt sie den Teufelskreis,
der sie gefangen hielt in ihrem
Dasein als willfähriges Opfer.
Sie beschließt, diesem Dilemma
aus eigener Kraft zu entkommen,
verschafft sich Freiräume, lernt,
sich „gesund“ abzugrenzen,
für sich selbst Sorge zu tragen
auf Basis der bedingungslosen Selbstliebe
und ihren Selbstwert zu stabilisieren,
sich anzunehmen und zu schätzen,
so wie sie ist, unabhängig von den
Bewertungen durch andere….

Informationen zum Gedicht: Würde und Selbstwert zurückgewinnen

2 mal gelesen
05.07.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Ingrid Baumgart-Fütterer) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.