Ein trauriger Flug in die Tiefe

Ein Gedicht von Heinz Säring
Man sieht einen Wandrer von Ferne her kommen,
der fröhlich durch grünende Wiesen hin zieht.
Er hat sich ganz munter und freundlich benommen,
ein älterer Brunnen ists, was er jetzt sieht.

Er schaut in den Brunnen, wie tief mag er sein?
Es ist nicht erkennbar, er nimmt einen Stein,
'nen großen, den wirft er zum Testen hinein.
Ein Zicklein, ganz nahe, es ist noch sehr klein,

kommt plötzlich wie'n Vogel von hinten geflogen,
kaum konnt er es sehen,schon war es verschwunden
im Brunnen, das "Fliegen" war gar nicht gelogen, -
es sank in dem Wasser mit Tempo nach unten.

Bald sah er den Bauern dicht neben sich stehn,
der hat sich mit Mühe das Wort abgerungen:
"Sag'ns haben sie nicht meine Ziege gesehn?"
"Die ist eben grad in den Brunnen gesprungen!"

"Ach" klagte der Bauer, "wie kann denn das sein,
ich band sie doch fest an 'nem sehr großen Stein?"

Informationen zum Gedicht: Ein trauriger Flug in die Tiefe

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27.10.2011
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