Ratsuchung

Ein Gedicht von Friedrich Graf
Ratsuchung

Sagt mir ihr gelehrten Weisen:
Wie erringt man Frauengunst?
Soll ich die Damen zart umkreisen
mit galanter Turtelkunst?
Oder soll ich, stimmlich schmeichelnd,
ohne langes Vorgetön,
leidenschaftlich Sehnsucht heuchelnd,
flüstern: „ Du bist wunderschön!“?

Oder soll ich besser denken
und voll Geistesschärfe sein,
sie mit Wissenschaft beschenken,
gar mit Altlatein erfreuen?
Denn des Mannes schärfste Pfeile
sind in seinem Hirn versteckt,
und diesen Fakt hat mittlerweile
auch das Feministentum entdeckt.

Oder meint ihr, dass sie fallen,
wenn man sie sehr stürmisch liebt,
weil das Frauenherz vor allen
sich gern dem Stürmerstar hingibt?
Oder soll ich es probieren,
ihr materiell was anzutun,
sie mit Schmuck und Pomp garnieren,
weil Damen gern im Luxus ruh`n?

Äußert euch ihr werten Herren,
gebt mir endlich einen Rat,
denn ich will in dieser schweren
Zeit nicht bleiben separat.
Wie, sagt endlich weise Alten,
beende ich den Daseinszwist,
wie kann ich ein Weib erhalten,
das mir treu und dienlich ist?

„Junger Mann, du bist verblendet,
hör was die Erfahrung sagt:
Schnell ist Leidenschaft beendet,
übrig bleibt nur was dich plagt.
Du sehnst dich nach höchstem Glücke,
weil du vermeintlich es vermisst?
Das schönste aller Erdgeschicke
ist f r e i zu sein, wie du es bist!!!“
(Doch dieses gilt für alle Zeit:
Sich innigst lieben kann man nur zu zweit!)
****

(© Friedrich Graf)

Informationen zum Gedicht: Ratsuchung

687 mal gelesen
(20 Personen haben das Gedicht bewertet. Der Durchschnitt beträgt 5,0 von 5 Sternen)
-
05.07.2015
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Friedrich Graf) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.
Anzeige