Vaters altes Tagebuch
Ich bin so tief in deiner Welt
und denke fest an dich.
Ich spüre gerad´ dass du mir fehlst,
Erinnerungen schmerzen mich.
Dein Tagebuch hat mich erreicht,
- nach nun mehr 50 Jahren.
Dein Leben war so wahr nicht leicht,
habe ich daraus erfahren.
Die Seiten sind bereist vergilbt,
deine Schrift mir noch vertraut.
Beim Lesen entstehen Bilder,
vor denen mir plötzlich graut.
Du schilderst von einem Kameraden
aus der Kriegs-Gefangenschaft.
Mit dem du deine Flucht geplant,
in der Nacht, - mit letzter Kraft.
„Wie furchtbar“, habe ich gedacht.
„Was mussten Menschen im Krieg ertragen?“
Es wurde sich so manche Nacht
verzweifelt durchgeschlagen.
Kein warmes Bett, die Füße wund;
Schuhe und Strümpfe immer nass.
Gepäck so an die 60 Pfund,
halb verhungert, hager, blass.
Geschlafen habt ihr in Dornenhecken,
und im Getreidefeld.
Es gab nur feuchte Decken…
Der Hunger hat euch gequält.
Getrunken habt ihr aus Bächen,
der Mond hat navigiert.
Durch Wälder und über grüne Flächen,
seid ihr des nachts marschiert.
Gehetzt wie wilde Tiere,
getarnt und unerkannt.
Den Feind stets im Visiere,
im fernen, fremden Land.
(Gefangenschaft in Frankreich)
Tränen kommen plötzlich auf,
das Herz wird mir so schwer.
Das ist wahrlich ein Lebenslauf,
den wünscht sich niemand mehr.
Da wird man dankbar und beschämt,
sieht vieles in einem anderen Licht.
Was mich bisher so oft gegrämt,
das zählt auf einmal nicht.
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