Noch fahrtüchtig?

Ein Gedicht von Gudrun Nagel-Wiemer
Dunkel war´s und regnerisch,
- es war kurz nach Acht.
Sie wollte rasch nach Hause,
hat an den Film gedacht.

Sie fuhr durch die 30-ziger Zone,
blieb an der Kreuzung stehen.
Hier hat sie nicht gezögert,
- es war niemand zu sehen.

Alles frei, hat sie gedacht,
bog in die nächste Straße ein.
Jetzt sah sie einen Lichtreflex,
einen kurzen, hellen Schein.

Ein aufgebrachtes Hupen,
durchdrang die Abendstille.
Ein Motorrad hinter ihr,
sie sah nur Helm und Brille.

Als sie einbog, kam er nach,
blinkte auf, machte Alarm,
merkte, dass der junge Mann,
jetzt auch viel näher kam.

Er drängt sie an die Seite,
die Frau hielt sofort an.
"Wollten sie mich überfahren?",
wetterte der junge Mann.

"Die Straße war doch frei,
Ich habe sie nicht gesehen."
"Ich hab ´ne Vollbremsung gemacht.
Zum Glück ist nichts geschehen."

Sie stammelte ein Entschuldingung,
und konnte es nicht fassen.
"Sie sollten ihre Fahrtüchtigkeit,
dringend überprüfen lassen."

"Versprochen, junger Mann,
das war wohl wirklich knapp.
Ich gebe meinen Führerschein,
am Besten dann gleich ab."

Informationen zum Gedicht: Noch fahrtüchtig?

25.10.2026
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