Dort sitzt er wieder

Ein Gedicht von Gudrun Nagel-Wiemer
Dort sitzt er wieder, der alte Mann,
mit seinem Struwwelkopf.
Er bettelt die Passanten an,
und rasselt mit dem Topf.

So mancher Euro fällt hinein,
und bewahrt ihn vor der Not.
Kauft er dafür Schnaps und Wein,
oder Wurst und Brot?

Die Turnschuhe sind abgewetzt,
die Jacke abgetragen.
Ich habe den alten Mann geschätzt,
doch kann nichts dazu sagen.

Er scheut das grelle Tageslicht,
sitzt windgeschützt im Kalten.
Eine dunkle Kappe verdeckt sein Gesicht
und die tiefen Sorgenfalten.

Sein Lächeln wirkt wie eingefroren,
ob er auch lachen kann?
So traurig wird man doch nicht geboren,
- auch nicht als armer Mann.

Er bettelt hier nun schon seit Jahren,
sitzt hier tagein, tagaus.
Was für ein Schicksal ist ihm widerfahren,
hat er denn kein Zuhaus?

Ich fasse Mut, frage wo er wohnt,
mich nervt diese Wissenslücke.
„Dort hinten!“, antwortet er verwirrt,
„unter der alten Brücke“.

Informationen zum Gedicht: Dort sitzt er wieder

0 mal gelesen
(Es hat bisher keiner das Gedicht bewertet)
-
17.07.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Gudrun Nagel-Wiemer) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.