Die kleinen Linien, die nicht verschwinden

Ein Gedicht von Lewin Dunkel
Was mir bleibt im dunklen Zustand
(Ein Kapitel über das leise Weitergehen)

Kapitel 2 - Die kleinen Linien, die nicht verschwinden

Es gibt Tage, an denen mein Leben mir nichts sagt.

Tage, die sich nicht öffnen, sondern bleiben, wie sie sind.

Tage, die keinen Grund nennen, weiterzugehen.

Und doch gehe ich weiter, nicht aus Kraft,
sondern aus Gewohnheit,
aus einem Rest von Richtung.

Mein Leben gibt mir die Möglichkeit,
mich hinzusetzen,
auch wenn ich nicht weiß, warum.

Es gibt mir den Blick aus dem Fenster,
der nicht schön ist,
aber existiert.

Es gibt mir den Himmel,
der manchmal grau ist,
und manchmal nicht.

Mein Leben gibt mir den Körper,
der müde ist,
aber bleibt.

Es gibt mir die Hände,
die nichts halten wollen,
aber können.

Es gibt mir die Schritte,
die nicht leicht sind,
aber möglich.

Mein Leben gibt mir die Erinnerung,
dass ich schon andere Nächte überstanden habe,
auch wenn ich sie nicht mehr spüre.

Es gibt mir die Tatsache,
dass ich noch hier bin,
auch wenn ich nicht weiß,
was das bedeutet.

Mein Leben gibt mir Menschen,
die nicht alles verstehen,
aber bleiben.

Es gibt mir Worte,
die nicht heilen,
aber ordnen.

Es gibt mir Sätze,
die mich nicht retten,
aber halten.

Mein Leben gibt mir die Möglichkeit,
eine Pause zu machen,
ohne dass etwas verloren geht.

Es gibt mir die Erlaubnis,
nicht zu funktionieren.

Es gibt mir den Raum,
in dem ich nichts leisten muss,
außer da zu sein.

Mein Leben gibt mir die Zukunft,
nicht als Versprechen,
sondern als Richtung.

Es gibt mir den nächsten Tag,
auch wenn ich ihn nicht will.

Es gibt mir die Chance,
dass etwas Kleines passiert,
das nicht schwer ist.

Und manchmal,
selten,
aber wirklich,
gibt mir mein Leben einen Moment,
der nicht dunkel ist.

Einen Atemzug,
der nicht brennt.

Einen Gedanken,
der nicht stürzt.

Einen Blick,
der nicht schmerzt.

Diese Momente sind klein,
aber sie reichen,
um weiterzugehen.

Nicht aus Hoffnung,
sondern aus Möglichkeit.

Nicht aus Stärke,
sondern aus einem stillen Rest von Leben,
der bleibt.

Informationen zum Gedicht: Die kleinen Linien, die nicht verschwinden

20.09.2026
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