Der Winterweg

Ein Gedicht von Lewin Dunkel
Der Winterweg
(Wo der Schnee die Schritte bewahrt)

Der Winter hatte das Land mit einer stillen Hand berührt. Schnee lag auf den Feldern, auf den Gräben und auf den Weiden am Wegesrand. Alles war heller geworden, zugleich aber auch schweigsamer.

Der Weg zog sich als schmale Linie durch die weiße Landschaft. Wo einst Erde und Gras sichtbar gewesen waren, lag nun eine geschlossene Decke aus Schnee. Nur wenige Spuren führten über sie hinweg.

Einzelne Fußabdrücke zeichneten sich deutlich ab. Sie kamen aus der Ferne, kreuzten den Weg und verschwanden wieder zwischen den Feldern. Niemand war zu sehen. Die Schritte gehörten einem Menschen, der längst weitergezogen war, und doch schien seine Anwesenheit noch in der winterlichen Stille zu verweilen.

Die Luft war kalt und klar. Jeder Atemzug stieg als blasser Nebel auf. Selbst der Wind bewegte sich vorsichtig über das offene Land. Es war, als wolle er die Spuren nicht verwischen.

Ich folgte dem Weg durch die verschneite Weite. Das Knirschen des Schnees unter meinen Schuhen war das einzige Geräusch. Die Welt schien kleiner geworden zu sein, reduziert auf Weiß, Grau und die dunklen Linien der Bäume am Horizont.

Als der Nachmittag in den Abend überging, färbte sich der Schnee leicht blau. Die alten Spuren lagen noch immer vor mir. Sie erinnerten daran, dass jeder Weg von Menschen lebt, selbst wenn sie längst verschwunden sind. Der Winter bewahrte diese Erinnerung für eine kurze Zeit und legte sie sichtbar auf die Erde.

Informationen zum Gedicht: Der Winterweg

02.11.2026
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