Der arme, alte Mann

Ein Gedicht von Gudrun Nagel-Wiemer
Dort sitzt er wieder, der alte Mann,
mit seinem Struwwelkopf.
Er bettelt die Passanten an,
und rasselt mit dem Topf.

So mancher Euro fällt hinein,
und bewahrt ihn vor der Not.
Kauft er dafür Schnaps und Wein,
oder Wurst und Brot?

Seine Turnschuhe sind abgewetzt,
die graue Jacke abgetragen.
Sein Alter habe ich oft geschätzt,
doch man kann es schwerlich sagen.

Er scheut das grelle Tageslicht,
sitzt windgeschützt im Kalten.
Eine dunkle Kappe verdeckt sein Gesicht
und die tiefen Sorgenfalten.

Seine Gesichtszüge wirken eingefroren,
ob er auch lachen kann?
So traurig wird man doch nicht geboren,
- auch nicht als armer Mann.

Er bettelt hier seit vielen Jahren,
sitzt in der Ecke, tagein, tagaus.
Was für ein Schicksal ist ihm widerfahren,
hat der Mann denn kein Zuhaus?

Ich fasse Mut, frage wo er wohnt,
vielleicht füllt sich die Wissenslücke.
Fragen ist er wohl nicht gewohnt.
Er zeigt nur auf die schmale Brücke.

Informationen zum Gedicht: Der arme, alte Mann

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12.06.2026
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